Schöne Seilschaften: Sitzmöbel mit Flechtwerk

2023-03-23 16:32:31 By : Mr. John Zhang

Leder für jene mit Köpfchen, Rohrgeflecht für alle mit Herz – so etwa lautete Hans J. Wegners Fazit, als sein Stuhl «PP501» von 1949 ein Jahr später für den amerikanischen Markt mit gepolsterter statt geflochtener Sitzfläche weiterentwickelt wurde.

Auch wenn diese Neuinterpretation 1960 einen grossen Auftritt als Bestuhlung bei der TV-Debatte zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon hatte und als «Round Chair» in die Designgeschichte einging, konnte sich der Flechtstuhl als «Original Gangster» für Connaisseurs behaupten.

Eine Ode an die hohe, mittlerweile rare Flechtkunst stellt jetzt der neue Stuhl des Zürcher Duos Christoph Schindler und Margarita Salmerón dar. In Zusammenarbeit mit der Flechterin Simone Rüppel wird dafür ein hohles Flachsseil der Winterthurer Seilerei Kislig mit dem Gestell aus Eschenholz kunstvoll verflochten.

Stapelbar ist das Sitzmöbel zwar, aber wie das kultige Vorbild von Wegner längst kein Massenprodukt – sondern das Œuvre fachkundiger Handwerker.

Fünf weitere Sitzmöbel, die mit Flechtwerk betören:

Rückenlehne und Sitzfläche von Antonio Citterios Sessel «Lee» sind Gitter aus Seegras. In seiner archaischen Art fast schon skulptural ist die Wirkung dieser Möbelserie für das italienische Label Flexform.

Rodolfo Dordonis Sessel «Prince Cord» mit geflochtener Sitzschale ist ein modernes Design von 2018 mit Mid-Century-Flair. Der italienische Hersteller Minotti bietet diese Möbellinie sowohl für den Innenbereich wie auch in einer Outdoor-Version an.

Ein weiterer solider Designklassiker aus Skandinavien ist der «J39»-Stuhl des Dänen Børge Mogensens aus dem Jahr 1947. Produzent ist die 1911 gegründete Firma Fredericia.

Wiener Geflecht darf beim Stichwort Flecht natürlich nicht fehlen. Dass sich dieses nicht nur bei klassischen Bistrostühlen und Freischwingern gut macht, beweist etwa dieser extravagante Entwurf des Schweizers Philippe Bestenheider für Fratelli Boffi aus dem Jahre 2009.

Der dänische Designer Hans J. Wegner liess viele seiner erfolgreichsten Stühle in den Werkstätten von PP Møbler herstellen. Der «Rocking Chair» aus massiver Esche und geflochtener Flaggleine entstand 1984 und ist von amerikanischen Shaker-Stühlen inspiriert.

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