Er ist allgegenwärtig. In Hamburg steht er in einem Garten, in Los Angeles in einem Hinterhof und in Tel Aviv gleich hundertfach an einem Strand. In einem Spital in Mpigi in Uganda dient eine umfunktionierte Version davon gar als Rollstuhl: der Monobloc.
Der meist weisse Plastikstuhl besteht aus einem einzigen Stück und findet auf der ganzen Welt Verwendung. Über eine Milliarde des Kunststoffmöbels sollen weltweit in Gebrauch sein. Weshalb ist es so weit gekommen? Und was macht die Qualität des Stuhls aus? Solchen Fragen geht Hauke Wendler im Buch „Monobloc“ und im gleichnamigen Film auf den Grund. Der Band versammelt zahlreiche Fotografien, Zeitdokumente, Zitate und Informationshäppchen zum Monobloc und zeichnet ein collagenartiges, vielschichtiges Porträt eines wenig beachteten Alltagsgegenstands.
Gleichzeitig lädt er zu einer teils skurrilen Reise durch Zeit- und Designgeschichte. So war der Stuhl ursprünglich alles andere als ein Billigmöbel: Entwickelt hatte den damals sogenannten „Fauteuil 300“ der französische Ingenieur und Unternehmer Henry Massonnet, 1972 landete der Stuhl auf dem Markt. Eine Werbaufnahme aus den 70er-Jahren zeigt ein Paar, das sich im Garten auf farblich perfekt zum Swimming Pool assortierten Plastikstühlen von einem Tennismatch erholt. Damals kostete ein Sessel rund 300 französische Francs, was in etwa 165 Euro entspricht, wie das Wendler im Buch anmerkt. Eine der Ursachen für den hohen Preis war die damals herrschende Ölkrise, denn der Stuhl wurde aus Polypropylen un Spritzgussverfahren hergestellt.
... kennt man auf der ganzen Welt.
Dass aus dem Designstück ein billiges Dutzendmöbel geworden ist, liegt daran, dass es keine Möglichkeit gegeben hat, für den von Massonnet ausgetüftelten Produktionsprozess ein Patent anzumelden. Aber immerhin: "Henry Massonnet hat einen Stuhl erfunden, ohne den Hunderte von Millionen Menschen auf dem Boden sässen. Buchstäblich", hält Wendler in seinem Buch fest.
Mit seiner Idee eines kostengünstigen Stuhls aus einem einzigen Guss, war der 2005 verstorbene Massonnet allerdings nicht alleine gewesen. Neben ihm machten sich Designer wie zum Beispiel Verner Panthon ähnliche Gedanken, das Resultat ist ebenfalls ein Designklassiker, der Panton Chair. Jedoch ist dieser bis heute nicht günstiger geworden: Wer ein Original erwerben will, zahlt über tausend Franken. (mai)
Monobloc, Buch (broschiert), Hauke Wendler Hatje Cantz Verlag / 192 Seiten / ISBN 978-3-7757-5187-2 / ca. 32 Franken 90
Monobloc, Dokumentarfilm, Hauke Wendler Salzgeber / DVD / ISBN / ca. 21 Franken 90
Trailer zum Dokumentarfilm "Monobloc".
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