Eatrenalin: Europapark Rust bietet Fine Dining der Zukunft

2023-03-23 16:31:55 By : Ms. May Wang

Riesige Quallen und bunte Korallen auf den illuminierten LED-Bildschirmwänden umgeben die Gäste. (Foto: Europapark)

Riesige Quallen und bunte Korallen auf den illuminierten LED-Bildschirmwänden umgeben die Gäste.

Ich bin im Europa-Park in Rust. Knapp sechs Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher, in den größten Freizeitpark Deutschlands, der seit Jahren auch als weltweit bester ausgezeichneter wird.

Der Grund meines Besuchs ist diesmal besonders spektakulär: Thomas Mack, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Parks, hat eingeladen, seine neueste Geschäftsidee – kurz vor der offiziellen Taufe am 4. November – zu erleben und spricht vorab von nicht weniger als einer Weltneuheit. Der Name des lange geheim gehaltenen Projekts: Eatrenalin.

In diesen Zeiten mit überdurchschnittlich vielen Problemen, Sorgen und Nöten in der Welt bin ich froh, mal wieder in die kreative Europa-Park-Welt zu entfliehen, und sehr gespannt, was die Familie Mack nun wieder ausgebrütet und entwickelt hat.

Auf dem Weg zum Krønasår-Hotel, in dem ich diesmal übernachte, komme ich an dem neuen riesigen Eatrenalin-Gebäude vorbei – das stylische Logo erinnert mich an die Marke 101; das neue Ranking der besten Hotels Deutschland steht ja Ende November wieder an. Es wirkt irgendwie geheimnisvoll und passt zu den geschwungenen Linien, die an der grauen Fassade angebracht und jetzt am Abend beleuchtet sind.

Ann-Kathrin Mack, Architektin und für das Design in den Europa-Park-Hotels verantwortlich, zeigt mir die elf komplett neuen Suiten, von denen man verbunden durch Gänge direkt in die neue Attraktion Eatrenalin nebenan gelangt. Besonders gefällt mir die Penthouse-Suite namens „Swan“ mit ihrem futuristisch klaren Einrichtungsstil. Highlight ist das sich völlig lautlos und ruckelfrei drehende Bett.

Elf Suiten wurden für das neue Eatrenalin konzipiert – mit einem spektakulären Design. (Foto: Europapark)

Elf Suiten wurden für das neue Eatrenalin konzipiert – mit einem spektakulären Design.

Fünf Jahre Entwicklungszeit und über 20 Millionen Euro – rund das Zehnfache eines normalen Restaurants – hat das neueste „Baby“ des Europa-Parks gekostet: Eatrenalin, das Erlebnis-Restaurant auf 1600 Quadratmeter Fläche.

Entwickelt hat Thomas Mack das Konzept gemeinsam mit seinem Freund Oliver Altherr, Vorstandschef des Schweizer Gastronomieunternehmens Marché International. Die beiden Unternehmer haben schon seit Jahren über die Vision eines Restaurants der Zukunft diskutiert, sich gefragt, wie wohl in der Zukunft gegessen wird, und die Welt bereist. Ihr kühner Plan: die Gastronomie neu zu erfinden. Das ist, ich nehme es vorweg, tatsächlich gelungen. Aber der Reihe nach.

In der edlen Champagner-Lounge im Eingangsbereich werden Amuse-Bouches gereicht: knuspriger Kaviar, Topinambur mit Pastinake und Trüffel. Und ein köstliches Süppchen mit roten Linsen, Ingwer und Tandoori. Dann die freundliche Empfehlung, doch noch schnell die Toilette aufzusuchen, denn „gleich geht es los“.

Ab diesem Zeitpunkt dreht sich alles um einen Sessel. Einen Sessel? Ja, aber was für einen. Der „Floating Chair“ ist komplett neu entwickelt und patentiert von Mack Rides, der Schwesterfirma. Insgesamt sind pro Ledersessel über 2000 (!) Einzelteile verbaut, jeder Stuhl wiegt 320 Kilo.

Jeder Gast bekommt seine Seating-Nummer für die nächsten gut 100 Minuten zugeteilt und noch einige Regeln mit auf den Weg: Während der „Fahrt“ gilt es, den Sessel – außer in Not(durft)-Fällen – nicht zu verlassen, nur in vorher genau festgelegten Räumen darf fotografiert oder gefilmt werden. Und dann wird es spannend. Die Türen zur Eatrenalin-Welt öffnen sich endgültig.

Wir fahren, nein, wir schweben in wechselnden Vierer-Sesselgruppen – mal nebeneinander, mal gegenübersitzend – zusammengefügt, von einer kulinarischen Themenwelt in die nächste. Es ist eine Reise durch insgesamt elf Räume, die die fünf Sinne ansprechen: schmecken, hören, riechen, sehen, fühlen.

Pablo Montoro aus Alicante ist der Head-Chef hinter dem Küchenkonzept. Der Spanier ist in seiner Heimat ein Star und geprägt von seiner Zeit an der Seite von Ferran Adrià im legendären El Bulli. In drei Küchen rund herum wird stets frisch gekocht.

Jeder der insgesamt acht Gänge ist ein kulinarisches Kunstwerk, kombiniert mit Multimedia, Musik, Choreografie und wechselnden Szenarien. Das Konzept ist zwar erlebnisorientiert, doch kulinarisch höchst anspruchsvoll.

Pablo Montoro (vorn links) und seine Mitarbeiter arbeiten für das Dinner in drei Küchen. (Foto: Europapark)

Pablo Montoro (vorn links) und seine Mitarbeiter arbeiten für das Dinner in drei Küchen.

Zuerst schwebe ich in die „Ocean“ genannte Unterwasserwelt. Sinnliches aus den Tiefen des Meeres. Sphärische Musik, eigens komponiert, umgibt mich wie eine Welle. Ein Fach meines Floating Chairs klappt unhörbar aus. Eine Muschel steht plötzlich wie von Geisterhand vor mir, gefüllt mit Meeresfrüchten, Plankton und Champagner-Sud. Köstlich. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hingucken soll.

Sinnesreize im Überfluss, Gänsehaut inklusive. Grandios plastische Fische, riesige Quallen und bunte Korallen umgeben mich auf den illuminierten überdimensionalen LED-Bildschirmwänden. Eine täuschend echte Tiefsee-Inszenierung. Unmerklich und geräuschlos bewegt sich mein Sessel währenddessen durch den Raum, staunende Nachbarn um mich herum wechseln lautlos und floaten weiter. Bis zu 16 Menschen schweben in ihren Sesseln durch jeweils einen Raum.

Und schon geht es in den nächsten Themenraum: „Umami“, Asiens fünfte Dimension. Sashimi mit Grapefruit, Nigiri mit gerösteter Paprika, frisch gedämpfte Dim Sum werden vom sympathischen Mönch Mitsuki nach einem kräftigen Schlag auf den goldenen Riesengong an einer langen Tafel serviert.

Der Abschluss des Dinners im Eatrenalin. (Foto: Europapark)

Der Abschluss des Dinners im Eatrenalin.

Von jetzt auf gleich finde ich mich mit meinen Mitreisenden in einer Rakete im Weltraum. Sterne umgeben uns. Das schwarze All. Wir fliegen zum Mond. Mein treuer Begleiter, der Schwebesessel, fängt plötzlich an zu rumpeln – wir sind in einen Sonnensturm geraten, den wir gerade so überstehen. Unfassbar.

Wir sind auf dem Mond gelandet. Die Türen der Raumfähre öffnen sich. Ich schwebe in den nächsten Raum – genannt „Universe“. Die Sessel gruppieren sich selbstständig um einen glänzenden runden Tisch. In der Mitte schwebt majestätisch eine riesige, bläulich leuchtende 3D-Erdkugel. Auf dem Speiseplan steht nun: „Mysteriöses aus dem All“. Es gibt keine Astronautenkost, sondern butterzartes Beef mit essbarem Silber, ein Monolith-Brioche und Maniok-Kohle. Je ein Spot beleuchtet den Teller.

Dann naht das Finale im nächsten Raum, genannt „Incarnation“, die süße Verwandlung. Fast unsichtbare Servicegeister servieren den köstlichen Dessert-Gang, zubereitet von Chef-Pâtissière Juliana Clementz: weiße Schokolade mit Tahiti-Vanille und Chambord-Beerenlikör.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Europa-Parks und der Vorstandschef des Schweizer Gastronomieunternehmens Marché International haben das Konzept gemeinsam entwickelt. (Foto: Europapark)

Der geschäftsführende Gesellschafter des Europa-Parks und der Vorstandschef des Schweizer Gastronomieunternehmens Marché International haben das Konzept gemeinsam entwickelt.

Wir verlassen nach knapp zwei Stunden, die im wahrsten Sinne wie im Flug vergangen sind, unsere Hightech-Sessel und betreten einen Aufzug, der uns – die letzte perfekte Illusion – scheinbar nach oben in die Rooftop-Bar bringt. Die Genussreise in acht Akten klingt in der futuristischen Bar aus. Zurück in der Wirklichkeit. Weltklasse!

Ich spreche mit Thomas Mack. Mich interessiert vor allem die unternehmerische Vision hinter diesem völlig neuartigen Erlebnis-Gastro-Event. Thomas erläutert mir, dass er in nächster Zeit erst einmal in Ruhe und im Detail das Eatrenalin zum Erfolg führen will, „bis alles sitzt“.

Dann aber bietet sich das Konzept langfristig für eine Vervielfältigung und internationale Expansion an. Potenzielle Investoren müssten zweistellige Millioneninvestitionen stemmen. Interesse gibt es laut Mack bereits, aus New York und weiteren Metropolen. Ein großer Vorteil: Egal wo auf dieser Welt, die Erlebnis-, Content- und Storywelten können an regionale Gegebenheiten angepasst werden.

Ich bin irgendwie noch etwas benommen. Diese erstaunliche Vielfalt an optischen, sinnlichen und sensorischen Eindrücken arbeitet in mir. Die beiden letzten surrealen Stunden mit den auch physischen Erlebnissen waren faszinierend, unerwartet und haben mich in Erstaunen versetzt.

Die graue Fassade zieren geschwungene Linien, die am Abend beleuchtet sind. (Foto: Europapark)

Die graue Fassade zieren geschwungene Linien, die am Abend beleuchtet sind.

Das Eatrenalin wird weltweit für Aufsehen sorgen, das ist klar. Nicht nur unter Genussmenschen, Kulinarikbegeisterten und Kreativen. Die Dining- und Hospitality-Branche hat ein neues Highlight.

Mir imponiert der Mut, mitten in einer der größten Krisen unseres Landes eine tatsächliche Weltneuheit zum Leben zu erwecken. Der Ansatz, die Gastronomie in schwierigen Zeiten neu zu erfinden, ist faszinierend. In diesem Projekt haben die diversen Spezialunternehmen der Firmengruppe zusammengewirkt, jedes hat seinen besonderen Teil zum großen Ganzen hinzugefügt.

Fest steht für mich: Thomas Mack ist aus dem Schatten seines erfolgreichen Vaters herausgetreten und hat sein Meisterstück abgeliefert. Das Eatrenalin ist ein echtes Zukunftskonzept – genau das Richtige für Menschen, die das Besondere und Außergewöhnliche suchen.

1. Ausdrückliche Reisewarnung 2. Besser als unter der Brücke 3. So lala, nicht oh, là, là 4. Meckern auf hohem Niveau 5. Wenn’s nur immer so wäre 6. Ganz großes Kino (!)

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber der Reiseplattform Travelgrand.ch ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

Carsten K. Rath, Rolf Westermann: Die 101 besten Hotels Deutschlands. Institute for Service- and Leadership Excellence AG 521 Seiten 34,90 Euro ISBN: 978-3033088719

Rath ist zudem Autor des Buchs zum Ranking. Die nächste Ausgabe des Buchs erscheint unter Mitarbeit des Handelsblatts Ende November im Rahmen der Veröffentlichung des nächsten Rankings der 101 besten Hotels Deutschlands.

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